Webplayer
 
Wunsch/Gruß
Private Nachrichten
Benutzername:

Passwort:

(Passwort vergessen ?)

Boardsuche
Board durchsuchen:

Links
zur Linkliste
- Anime
- Festivals und Events
- Games
- Root
- Sonstiges
Staff only
Ihnen fehlen die Rechte um diese Funktion zu nutzen oder Sie sind nicht angemeldet.

UR-Radio » UR Anime » URed AniMan » URed Anime Review » Paranoia Agent: 10th Anniversary Edition » Hallo Gast [Anmelden|Registrieren]
Letzter Beitrag | Erster ungelesener Beitrag Druckvorschau | An Freund senden | Thema zu Favoriten hinzufügen
Zum Ende der Seite springen Paranoia Agent: 10th Anniversary Edition
Autor
Beitrag « Vorheriges Thema | Nächstes Thema »
F@bs F@bs ist männlich
Foren Gott


images/avatars/avatar-2627.jpg

Dabei seit: 30.03.2008
Beiträge: 5.150
Gästebuch: aktiviert
Level: 53 [?]
Erfahrungspunkte: 17.201.689
Nächster Level: 19.059.430

1.857.741 Erfahrungspunkt(e) für den nächsten Levelanstieg

Paranoia Agent: 10th Anniversary Edition       Zum Anfang der Seite springen

Rezension/Review zu Paranoia Agent: 10th Anniversary Edition

Titel: Paranoia Agent: 10th Anniversary Edition
Genre: Psycho, Horror, Thriller
Medium: Blu-Ray, DVD
Sprache: Deutsch und Japanisch (DTS-HD MA 2.0) mit deutschen Untertiteln
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
© Satoshi Kon/Madhouse

Vertrieb: Kazé Anime


(Quelle: Kazé Anime)

Japans Antwort auf David Lynch – so könnte man den künstlerischen Output von Satoshi Kon am besten bezeichnen. Als Multitalent und Kreuzung aus Mangaka, Screenwriter, Regisseur und Animateur produzierte Kon zu Lebenszeiten (2010 gestorben an Bauchspeicheldrüse-Krebs) zahlreiche von den Kritikern ausgezeichnete Filme und Serien, darunter „Tokyo Godfathers“, „Perfect Blue“ und „Paprika“. Gemein haben alle seine Werke die Zentrierung auf Charaktere und menschliche Abgründe. Die Vergleiche mit Lynch verdankt er vor allem seinem Hang zu weiblichen Protagonisten und dem Fokus seiner Geschichten auf psychologische Krankheiten wie Schizophrenie, Inzest oder emotionaler Abhängigkeit. Kurz um – ob bewusst oder nicht, Kon ist ein starker Anhänger des (wie ich es nenne) WTF-Genres. In diese Kerbe schlägt auch Paranoia Agent. Die 13-teilige TV-Serie nimmt in der Vita des Regisseurs eine Sonderstellung ein. Nach den ersten Erfolgen mit seinen Soloprojekten suchte er 2004 nach einer Möglichkeit, alle bis dahin nicht passenden Ideen in einem loseren Format unterzubringen. Als Lösungsansatz schmiss er in „Paranoia Agent“ viele Charaktere in einen Topf und zeigte innerhalb eines übergeordneten Themas in stark episodischen Abschnitten zahlreiche menschliche Abgründe, von Pädophilie über gespaltene Persönlichkeiten bis hin zu Massenhysterie und Wahnvorstellungen.

(Quelle: Kazé Anime)

Heute – mal nicht so eng gesehen – gut zehn Jahre nach dem Erscheinen der Originalserie bringt Kazé Anime die Gesamtausgabe im edlen Schuber, schwarzen Blu-Ray Hüllen und einigen Extras erneut auf den Markt. Mit im Gepäck ist die Synchrostimmen der ersten lokalisierten Veröffentlichung und ein leicht aufbereitetes Bild in Full-HD (nur Blu-Ray). Freunde von erwachsenen Geschichten und psychologischen Thrillern haben hiermit die Chance einen Klassiker des WTF-Genres nachzuholen. Doch lohnt sich der Kauf?

(Zusammenfassung)
In Tokio kommt es immer wieder zu brutalen Angriffen auf unschuldige Passanten. Keins der traumatisierten Opfer kann den Täter beschreiben, nur eins ist sicher: es handelt sich um einen Jungen auf goldenen Rollerblades, der mit einem goldenen Baseballschläger zuschlägt. Die Polizisten Keiichi Ikari und Mitsuhiro Maniwa versuchen den geheimnisvollen Angreifer an weiteren Attacken zu hindern. Bald müssen die beiden jedoch feststellen, dass dieser Fall alles übersteigt, was sie bisher kannten ...


Auch wenn die Geschichte von Paranoia Agent bereits seine Jahre auf dem Buckel hat, so ist sie im Prinzip völlig zeitlos. Wir lernen in den ersten Episoden pro Folge einen neuen Charakter kennen, der früher oder später Opfer des mysteriösen Angreifers wird. Nach und nach offenbaren sich Zusammenhänge zwischen den einzelnen Fällen und sowohl die beiden Polizisten Maniwa und Ikari als auch der Zuschauer scheinen der Lösung auf der Spur. Hier zeigt sich, warum Satoshi Kon bis heute so ein hohes Ansehen innerhalb der Filmbranche genießt. Er erschafft auf gleich mehreren Ebenen doppelte Böden und führt seine Figuren und den Zuschauer gleichzeitig an der Nase herum. Kon arbeitet gekonnt mit Dialogen, Bildern und Ton um ganz bewusst Assoziationen hervorzurufen, die zum Miträtseln anregen. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten, denn die Story lebt von ihren Mystery-Elementen und den starken Charakterzeichnungen. Ungefähr zur Halbzeit der Serie nimmt „Paranoia Agent“ dann eine weitere Wendung, die das Ganze noch einmal in eine ganz andere Richtung schiebt bevor das Ende dann völlig abdreht.

(Quelle: Kazé Anime)

Anders als aber zum Beispiel Neon Genesis Evangelion verliert sich die Serie nicht in religiösen Anspielungen oder bewusst undurchsichtigen Rätseln, sondern versucht trotz der vielen WTF-Momente eine gewisse Balance zwischen Realität und Traum zu erhalten. In einem Satz: die Story ist clever geschrieben und überzeugt mit ihren Charakteren. Klassische Helden gibt es quasi nicht in „Paranoia Agent“. Jeder hat sein Päckchen zu tragen, wobei alle Protagonisten mehr als eine emotionale Schale offenbaren. Wie in anderen guten Thrillern ist es fesselnd in diese Welt einzutauchen und den gut geschriebenen Dialogen zu folgen. Ganz einfach ist das allerdings nicht. Im Laufe der Serie wechseln die Orte wild durch und Zusammenhänge werden erst spät klar. Zudem spielt Kon stark mit der Wahrnehmung. Verkörpert durch die Figur des alten Mannes, präsentiert er am Ende jeder Folge eine Vorschau auf kommende Ereignisse, wobei diese durch das „Kaleidoskop der Furcht“ verfremdet dargestellt werden. Der Mann tritt zu dem immer wieder auf und scheint die Charaktere innerhalb der Serie zu beeinflussen. Mal abgesehen von einer Interpretation, die ich gerne euch und dem Internet überlasse, führt das dazu, dass „Paranoia Agent“ kein Anime für zwischendurch ist.

Zu dem – und die Altersfreigabe sowie die bereits erwähnten Themen der menschlichen Psyche weisen darauf hin – richtet sich die gesamte Aufmachung an ein erwachsenes Publikum. Final dreht sich alles um Angst: Angst vor Problemen, die wir nicht bewältigen können und daher den Ausweg des Vergessens wählen.

Die Präsentation passt sich stark an das Thema an und beugt sich schon fast der Geschichte. Die einzelnen Episoden scheinen sich stilistisch und inszenatorisch zu verändern, je nachdem welcher der Charaktere gerade im Fokus steht. Ohne zu sehr ins Spoiler-Territorium abzugleiten, wird dem Zuschauer unter anderem eine Fantasy-Geschichte aus der Sicht eines Kindes erzählt. Passend nutzen die Zeichner hier einen stark vereinfachten Stil mit klaren Strichen und groben Strukturen – inklusive Monstern, Schlössern und Co. Eine andere Folge findet auf doppelter Ebene in einem Manga statt. Man merkt förmlich Kons Versuch, so viele Ideen wie möglich in den 13 Folgen unterzubringen. Erkauft wird diese immense Anzahl an Szenen, Settings und einem generell hohen Detailgrad mit vielen Standbildern, die am Ende aber nicht negativ auffallen. Einziger Anlass zur Kritik bietet die Bildqualität, die trotz HD-Auflösung (Blu-Ray) leicht unscharf wirkt.

(Quelle: Kazé Anime)

Analog zur hohen Anzahl an Szenen stellt „Paranoia Agent“ eine immense Herausforderung an die Synchronstudios dar. Für den Re-Release hat Kazé die originalen Stimmen im Japanischen und Deutschen vom ersten Release 2006 übernommen und fährt sehr gut damit. Die Sprecher machten und machen einen durchweg hervorragenden Job. Hierfür finden sich besonders in der lokalisierten Form einige sehr bekannte Stimmen wieder – allen voran David Turba (u.a. Shia LaBeouf), Claudia Urbschat-Mingues (u.a. Jada Pinkett Smith, Angelina Jolie) und Roland Hemmo (u.a. Brendan Gleeson, John Noble) stechen markant heraus. Im Gegensatz dazu wirken die Untertitel wie Fremdkörper, was nicht zu Letzt dazu führt, dass ihr ohne vernünftige Japanischkenntnisse auf die deutsche Fassung angewiesen seid. Manche Sätze werden verspätet eingeblendet oder sind inhaltlich komplett entfremdet zur Vertonung bzw. erscheinen schlichtweg falsch im Kontext. An vereinzelten Stellen sind es sogar nur Satzfragmente, was die Vermutung nahe legt, dass hier irgendwo Probleme bei der Umsetzung auftraten.

Von diesen Macken abgesehen hinterlässt das Re-Release Gesamtpaket einen komplett runden Eindruck. Der Preis mit ca. 55 Euro geht für die gut verarbeitete Verpackung in Ordnung. Beide Blu-Rays bzw. DVDs sind komplett in schwarz gehalten und besitzen unterschiedliche Cover. Die acht beiliegenden Postkarten sind auf verstärktem Papier gedruckt und eignen sich durchaus zum Versenden (leider keine Selbstverständlichkeit). Das Poster wirkt angenehm wertig, ebenso das kleine Heft mit kurzen Storybeschreibungen. Hier solltet ihr übrigens erst reinschauen, sobald ihr mit der Serie durch seit, da an einigen Stellen ohne Zögern gespoilert wird. Ich hätte mich noch über die eine oder andere Erklärung seitens der Macher zu den Charakteren oder Story-Strängen gefreut. Gerade bei einer „10th Anniversary Edition“ wären O-Töne eine gute Idee.


Fazit:

Wer Satoshi Kon kennt, der weiß schon ungefähr was ihn bei „Paranoia Agent“ erwartet. Die Mystery-Thriller Serie gehört nicht ohne Grund zu den großen Klassikern im Portfolio des Regisseurs und die „10th Anniversary Edition“ ist eine gute Möglichkeit eine Lücke aufzufüllen. Als Besitzer der Originalveröffentlichung von 2006 braucht man dank leicht unscharfem HD-Bild und übernommener deutscher Synchronisation nicht unbedingt noch mal zugreifen. Für alle anderen gilt eine klare Kaufempfehlung – vorausgesetzt ihr besitzt einen Hang zu komplexen Charakteren und habt kein Problem mit erwachsenen und ernsten Geschichten. In „Paranoia Agent“ gibt es keine Helden, nur echte Menschen mit Fehlern und teilweise harten emotionalen Macken. Das macht die Geschichte ungemein interessant und zeigt, was Kon so berühmt gemacht hat – die Fähigkeit seine Figuren auf Augenhöhe mit dem Zuschauer agieren zu lassen.

Gesamt: 14/15


__________________
Wenn der letzte Baum gerodet,
der letzte Fluss vergiftet,
der letzte Fisch gefangen,
werdet ihr feststellen,
dass man Ingame-Items nicht essen kann.
30.01.2016 12:55 Fügen Sie F@bs in Ihre Kontaktliste ein
Die Betreiber von UR-Radio distanzieren sich hiermit ausdrücklich von dem, durch F@bs am 30.01.2016 um 12:55 verfassten Beitrag.
Sollte dieser Beitrag Ihre Rechte verletzen bitten wir um Benachrichtigung
Baumstruktur | Brettstruktur
Gehe zu:
UR-Radio » UR Anime » URed AniMan » URed Anime Review » Paranoia Agent: 10th Anniversary Edition
Please visit our Sponsor
Please visit our Partner

Impressum

Forensoftware: Burning Board 2.3.6, entwickelt von WoltLab GmbH